Warum KALIMA?

Zwischen zwei Welten

So klischeehaft es auch klingen mag – KALIMA ist wahrlich ein ganz persönliches Herzensprojekt. Aber bevor wir zum Warum kommen, möchte ich mich vorstellen:

Ich bin Jasmin, Tochter zweier libanesischer Emigranten, die vor über 40 Jahren nach Deutschland kamen.
Mit viel Liebe und Dankbarkeit darf ich sagen: Ich bin verheiratet, Mutter von zwei Kindern und Übersetzerin & Dolmetscherin von Beruf.
Was meine Identität jedoch am tiefsten geprägt hat, ist schlicht das Gefühl, mit zwei Sprachen und zwischen zwei Kulturen aufgewachsen zu sein.

Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule, Abitur – meine Eltern legten großen Wert darauf, dass ich eine ordentliche Schullaufbahn durchlaufe.
Allerdings war meine gesamte Schulzeit rückblickend von einer Art innerem Zwiespalt geprägt: Einerseits war ich deutsch, andererseits aber auch nicht.

Mein Vater ermahnte meine Geschwister und mich zuhause stets, wenn wir uns unterhielten: „Bil 3arabe!” – „Auf Arabisch!“ Er hatte große Sorge, dass wir im Trubel unseres deutschen Alltags unsere arabischen Wurzeln vergessen würden. Die Liebe zu seiner Heimat wollte er unbedingt an uns weitergeben.
Doch diese Sorgen blieben unbegründet. Nicht zuletzt unsere alljährlich im Libanon verbrachten Sommerferien trugen dazu bei, dass ich viel und gerne Arabisch bzw. den libanesischen Dialekt sprach.

Nach meinem Abitur kam dann das Unabdingbare: ein Zweifach-Studium in Orientalistik und Linguistik an der Ruhr-Universität Bochum. Es war vorherzusehen, dass es mich in diese Fachrichtung ziehen würde – als junge Erwachsene versuchte ich endlich den inneren Zwiespalt aufzulösen und zu vereinbaren, was für mich seit jeher unvereinbar schien.
Auf den Bachelor folgte der Master in Asienwissenschaften mit dem Schwerpunkt Arabische Sprache und Translation an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Kurze Zeit später ließ ich mich vom Landgericht beeidigen und stieg so als Übersetzerin & Dolmetscherin in die Berufswelt ein.

Womit verbinde ich heute meine geliebte Muttersprache? Mit Familie, Fairuz, Poesie, Quran, Sommer, Heimat…Arabisch und vor allem der libanesische Dialekt sind mehr als nur eine Aneinanderreihung von Lauten und Wörtern. Ich studierte Sprachwissenschaft, um Sprachen zu verstehen – doch letzten Endes kam ich zu der Erkenntnis: Sprache ist ein Gefühl.

Warum also KALIMA? Weil ich das weitergeben möchte, was mir in erster Linie meine Eltern geschenkt haben und was ich mir selbst durch jahrelanges Lernen bewahren konnte: ein Stück Heimat in Form von Sprache.